Katze bei Nacht auf Fensterbrett

Wo geht’s hier zurück zum Rosengarten?

Die 4 Freunde des Marshall Rosenberg

Wenn ich es nicht besser wüßte, dann würde ich schwören, dass ich mein Bett mit einer Ameisenbrigade teile.
Es kribbelt und krabbelt und ich kann absolut nicht schlafen.
Seit Stunden liege ich wach und drehe mich von einer Seite auf die anderen.
Müde bin ich, aber ich komme nicht zur Ruhe.
Langsam werde ich wütend.

Oder bin ich schon wütend ins Bett?

In meinem Kopf findet nämlich seit Stunden ein feiner Dialog mit einer nicht anwesenden Person statt.
Und da habe ich eine Menge zu sagen, was nicht gerade freundlich klingt.
Alles Dinge, die mir jetzt einfallen - Stunden später, ach was sage ich! - eigentlich ist es eine Abrechnung von vielen Situationen, in denen ich noch was zu sagen hattes und es nicht tat.

Ich weiß, was ich hätte sagen sollen Ich weiß auch, was der andere hätte sagen sollen. Darin bin ich besonders gut.

Irgendwann gebe ich auf.

Ich schiebe die Decke beiseite und tappe barfuß in die Küche, um mir ein Glas Wasser zu holen.
Das Haus ist still und durch das Fenster fällt Mondlicht auf den Küchentisch. Ich stehe im Dunkeln, das Glas in der Hand, als ich plötzlich zwei grüne Augen auf dem Fensterbrett entdecke.

Meine Katze.

Sie sitzt vollkommen reglos da und sieht mich an.
Ihre Augen leuchten geheimnisvoll im Dunkeln.

Die Wut ist nicht das Problem

„Na Süße, was machst du denn hier mitten in der Nacht?“, sage ich.

Sie blinzelt.
Ich trinke einen Schluck Wasser. Irgendetwas ist anders mit ihr als sonst. Ich schau sie musternd über den Glasrand an.

Wieder dieses Blinzeln.

Und dann höre ich eine merkwürdige Stimme in meinem Kopf.
:„Majestät, Sie sind schon wieder im falschen Königinnenreich.“

Ich verschlucke mich beinahe an meinem Wasser.
„Entschuldigung?“

„Du hast mich schon verstanden.“

Ich stelle das Glas auf den Tisch. „Sprichst du etwa in meinem Kopf“

„Ja, natürlich!“

„Narürlich? Na, natürlich finde ich das nicht gerade? Wieso kann ich dich hören und warum jetzt und überhaupt - wie funktioniert das? Und - warum hast du bisher nie etwas gesagt?“

Sie hebt eine Pfote und beginnt, sie sorgfältig zu putzen.
"Ich fand, dass es endlich Zeit ist, mich in dein Drama einzumischen. Und außerdem leben wir noch nicht so lange zusammen. Ich musste erst einmal herausfinden, ob du die geistigen Kapazitäten für Gespräche mit mir hast .“

„Ach, na das wird ja spaßig! Und nun hast du also beschlossen, dass ich dir geistig folgen werde können?“

Sie hält mitten in der Bewegung inne und sieht mich an.

.„Offensichtlich.“

Ich musste mich erst einmal setzen. Möglicherweise träumte ich. Wir leben in verrückten Zeiten. Mittlerweile kann ich mir alles vorstellen.

„Also gut. Was soll das heißen – falsches Königreich?“

„Du läufst seit Stunden im Königreich eines anderen Menschen herum.“

„Tue ich überhaupt nicht.“

„Doch.“

„Ich versuche lediglich zu verstehen, warum jemand sich so verhält.“

„Eben.“

Ich starre sie an. Sie putzt weiter ihre Pfote.

„Und was soll ich deiner Meinung nach stattdessen tun?“

Jetzt sieht sie auf.

„Nach Hause gehen.“ antwortet die Katze. Dann springt sie vom Fensterbrett auf den Küchentisch, setzt sich mir gegenüber und legt ihren Schwanz ordentlich um ihre Pfoten.

„Du stehst barfuß um drei Uhr morgens in deiner eigenen Küche. Aber du bist seit Stunden nicht zu Hause.“

Das sitzt. Ich sage eine Weile nichts.

Draußen zieht eine Wolke vor den Mond. Für einen Augenblick verschwindet das Licht aus der Küche.

„Ich bin wütend“, sage ich schließlich.

„Ja, das ist auch offensichtlich.“

Mir kommt es ja verrückterweise vor, als würde mein Katze schmunzeln.
„Und ich habe einen Grund dafür.“

„Das glaube ich dir.“

„Dann verstehe ich nicht, was dein Problem ist.“

„Ich habe keines. Du hingegen“, sagt sie, „hast gerade ein sehr interessantes.“

„Und welches?“

Sie neigt den Kopf ein wenig zur Seite.

„Du hältst den Menschen, der dich wütend gemacht hat, für die Ursache deiner Wut. Und du glaubst, wenn der andere sich nur anders verhalten hätte, dann müsstest du jetzt nicht wütend sein...."

Auslöser oder Ursache?

Ich ahne, worauf meine Katze hinaus will.
Vor ein paar Jahren wurde ich mit der GFK (Gewaltfreie Kommunikation) nach Marshall Rosenberg bekannt. Ich fand es sehr interessant und versuchte, die Methode in mein Leben und in meine Kommunikation mit anderen langsam einzubauen.
Es sah leichter aus als umgesetzt.
Ich bemühte mich, im konflikt mit anderen, die 4 Schritte umzusetzen, abermöglicherweise fehlte mir noch ein kleiner Schritt davor.

Die Katze schaut zum Fenster hinaus.„Der Stimulus.“

Ach wie ich es liebe, wenn mir jemand einen intellektuellen Knochen hinwirft und mein Verstand sich drauf stürzt.

"Erzähle mir mehr!", bitte ich meine Katze.

„ Wenn du genau hinsiehst, dann erkennst du, dass das, was im Außen passiert.und das,was danach in dir passiert, nicht dasselbe ist. “

Ich schweige.

„Nehmen wir an“, fährt sie fort, „jemand sagt etwas zu dir, dass dich verletzt. Oder jemand antwortet nicht auf eine Nachricht von dir. Jemand vergisst etwas. Sagt eine Verabredung ab. Schickt dir eine Nachricht, die dir etwas unterstellt.“

„Rein hypothetisch natürlich.“

„Natürlich.“

Ihre grünen Augen blitzen.

„Das ist der Stimulus. Etwas geschieht außerhalb von dir. Und dann geschieht etwas in dir.“

„Ich werde wütend.“

„Zum Beispiel.“

„Weil der andere—“

„Nein.“

„JWieso Nein? Du weißt doch gar nicht, was ich sagen wollte. Jetzt lass mich doch wenigstens ausreden!“

„Du wolltest doch etwas über Königinnenreiche lernen, oder?“
Sie gähnt
"Ich weiß schon, was du sagen wolltest. Du wolltest mir erklären, dass der andere, weil er der Stimulus ist, daher auch verantwortlich ist für das, was in deinem Inneren passiert, richtig?

"Ja, schon. du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, Also wenn ich dich richtig verstehe, dann kann der andere zwar der Stimulus sein, aber ist trotzdem nicht verantwortlich für meine Wut?
Woher kommt diese dann?

.„Marshall Rosenberg hatte vier interessante Freunde.“„Marshall Rosenberg hatte Katzen?“„Angst, Schuld, Scham und Depression.“Ich sehe sie an.„Das nennst du Freunde?“„Sehr gute sogar.“„Ich glaube, wir haben unterschiedliche Vorstellungen von Freundschaft.“„Das überrascht mich nicht.“Ich greife nach meinem Wasserglas.„Und warum sollte ich Angst, Schuld, Scham und Depression als Freunde betrachten?“„Weil sie dich wecken.“„Das ist eine ausgesprochen unangenehme Art, jemanden zu wecken.“„Menschen reagieren erstaunlich schlecht auf sanfte Hinweise.“

Gib hier deinen Absatz ein